UND HIER NOCHMAL ZUM MITSCHREIBEN

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Nicht nur für die vielen Pressefotos - und die vielen Leute, die zwar die Fotos abdrucken, aber nicht die Namen der Darsteller aus Burkina Faso. Das sind wirkliche Menschen ! Kaum zu glauben für viele.... Stehend von links nach rechts: Brigitte Cuvelier, Jean Chaize, Ahmed Soura, "Primo" Abdoul Kader Traore, "Kandy" Mamounata Guira, Kerstin Grassmann, Issoufou Kienou, Isabelle Tassembedo, Nicolas Ulrich Severin Tounga, vorne-von-links-nach-rechts: Wilfried Zoungrana, Jean Marie Gomzoubou Boucougou, (stehend vorne /der Kinderflüchtling): Amado Komi (Komi ist 28 Jahre alt! Das glauben viele Leute nicht, aber es steht wirklich in seinem Paß und seine Familie hat das auch bestätigt. Übrigens: Komi sucht eine Frau. Auch das stimmt! Wer ihn in Burkina Faso treffen will oder in Wien ab dem 12.6., wenn die Reise weitergeht, der kann sich unter buero@schlingensief.com , stichwort: Komi, gerne melden. Bitte mit Foto und Lebenslauf!) - WER PRESSEFOTOS BENÖTIGT, MELDE SICH BITTE AUCH UNTER: BUERO@SCHLINGENSIEF.COM !
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ZWEITENS – Fortsetzung der Fundstücke

Der eine Kampf ist der Kampf des Überlebens, also zu gucken, dass man den nächsten Tag erreicht oder die nächste Woche oder den nächsten Monat. Das ist der reine gesundheitliche Aufwand. Und dann gibt es natürlich die Kampfbereitschaft im Leben selber. Wenn ich schon kämpfe, dann muss ich aber wissen, warum. Und jetzt muss ich den finden, der mir den Grund sagt. Da ist, glaube ich, der Weg der richtige, dass ich mir den Grund selber nenne. Und dann kämpfe ich tatsächlich für mich.

Dann ist hoffentlich auch die Voraussetzung da zu sagen, ich weiβ, dass auch ich sterben werde. Selbst wenn ich jetzt mein Leben verändere, selbst wenn ich es jetzt auf den Kopf stelle und total anders strukturiere, auch ich werde irgendwann mal am Ende daliegen und das war’s.Aber vielleicht bin in einen kleinen Schritt näher gekommen zu einer Form von Transparenz. Vielleicht bin einen kleinen Schritt näher gekommen zu einer Klarheit, die man mir genommen hat oder die ich mir habe selber nehmen lassen in dem ich immer wieder auf Leute gehört habe, die mir erzählt haben, was ich tun soll. Oder ich mir selber schon im vorauseilenden Gehorsam erklärt habe: tu dieses, dann wirst du keine Probleme kriegen.

Also diese ständige Verwirrung, die wir da so haben. Wer ist in der Lage, sich selber den Marschbefehl zu erteilen? Da ist kein Politiker in der Lage, auch kein Künstler, vielleicht der noch am ersten. Nur leider lässt der Künstler sich noch schneller kaufen als ein Politiker. Ein Politiker muss leider damit rechnen, dass ihm schon wieder nach einem halben Jahr irgendeiner offenbart, dass er falsch abgerechnet hat, oder dass er eitel ist oder sonst einen mist. Ein Künstler hat erstmal Freiheit und deshalb fängt er auch ganz schnell an sich zu wiederholen und auf seinen Erfolg zu bestehen.

Ich glaube, dass es gut ist, darauf zu hoffen, dass sich Dinge ganz plötzlich ganz anders entwickeln als wie man sie gedacht hat. Also sich auch auf Fehler einstellen und dass gescheitert wird. Scheitern als Chance sehen. Diese Sachen sollte man Kindern schon früh genug als Lustfaktor beibringen. Dass du sagst: du wirst erst dann wirklich geil, wenn es schief läuft, das wirst du noch erleben. Nicht die Kinder zu erziehen in einen vorauseilenden Gehorsam sich selber zu bescheiden und schon als Kinder zu lernen, dass sie sich nicht entfalten sollten, weil wenn sie es machen würden, würden sie sofort in der Gesellschaft keine Schnitte mehr bekommen. Ich will auch keine Asozialen heranziehen. Ich will Kinder in der Verantwortung. Man darf alles machen, man muss aber nicht gleich Kokain einnehmen oder in einem Technoclub leben und alle Sexualpraktiken machen als siebzehnjährige. Man kann aber anfangen als siebzehnjährige das zu lesen, das geil zu finden, das aufzuschreiben, das zu klauen, zu sortieren, weil es einen anmacht. Ich habe Apollinaire gelesen mit siebzehn, ich habe Die 11 000 Routen oder Bataille, die Geschichte des Auges habe ich mit 22 gelesen. Das waren für mich DIE WERKE.  NNNTTT

SICH NICHT TRAUEN

Wenn ich in den himmel gucke, dann ist  das doch die reinste Energie, was ich da sehe. Welche Energie da war, und das wir noch immer das Licht der bereits gestorbenen Sterne sehen können, obwohl sie vor Millionen von Jahren erloschen sind. Und das noch ein Universum gefunden wird und noch eins und noch eins…. Dieser wirklich sensationelle Wahnsinn wird in keinster Weise ernst genommen, sondern wir versuchen seit ewigkeiten so zu tun, als wären wir die Eroberer dieses Universums. Als hätten wir die Weisheit gefressen.Wenn wir  aber mal sagen würden, dass die Welt, in der wir leben, eigentlich nur ein miniausschnitt von möglicher Freiheit darstellt , dann wäre es doch leichter zu gerstehen, das gerade hier auf diesem miniplaneten noch gigantisch viel möglich ist und das wir tatsächlich eingreifen können ! ja, wir können sogar eingreifen. Was für ein privileg gegenüber tonnen von abgestorbenen gesteinsbrocken, die sonst so durchs all rasen…  Man kann jetzt etwas tun, du kannst tatsächlich deinen Traum erfüllen – nicht den amerikanischen Traum, das meine ich nicht – aber du kannst hier und jetzt alles hinterfragen, vielleicht sogar berühren und ausprobieren… Aber du musst dich dafür auch wahnsinnig einbringen. du musst dich  wirklich mal investieren und du wirst auch extrem viel Kraft verlieren und du wirst es nicht mehr sehr leicht haben. Das wird anstrengend und du wirst die ganze Zeit immer nur da sitzen und denken, hätte ich mich lieber für die andere Seite entschieden. Die sind schon viel weiter als ich. Die haben schon ein Auto, die haben schon eine Familie, die sind schon, was weiβ ich, in Kanada gewesen, oder auf dem Mond. Ich bin immer noch hier und traue der Sache nicht. Und ich glaube, dass wäre eigentlich so der Hauptpunkt.

Wir suchen vielleicht deshalb etwas an das wir glauben können, weil wir das Vertrauen in uns verloren haben. Wenn man das Vertrauen an sich selber wieder hat, dann kann man wahrscheinlich in diesem Leben wunderbar glücklich werden. Aber da das Leben nicht leicht ist, verliert man als aller erstes das Vertrauen an sich selber.NNNTTT

VIA INTOLLERANZA EINGELADEN NACH: Amsterdam, Helsinki, Paris, Tokyo und seit gestern auch nach Warschau. – Ausschnitt aus einem finnischen Beitrag in Nuori Voima – ( erscheint in einem monat ).

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Christoph Schlingensief (s. 1960) kuuluu Saksan tunnetuimpiin ja tuotteliaimpiin nykytaiteilijoihin. Hänet tunnetaan etenkin teatteri- ja elokuvaohjaajana sekä aktionistina. Hänen kansainvälisesti eniten huomiota herättänyt työnsä on tähän mennessä ollut Richard Wagnerin Parsifal-oopperan ohjaus Bayreuthin festivaaleilla. Se esitettiin ensimmäisen kerran vuonna 2004. Schlingensiefin aiheet ovat vahvasti aikalaiskriittisiä ja henkilökohtaisia. Vuonna 2008 hän sairastui keuhkosyöpään ja on viime vuosina tematisoinut paljon juuri kuolemaa ja inhimillistä pelkoa. Suomalainen videotaiteilija Heta Multanen oli yhteistyökumppani teoksessa ”Die Kirche der Angst”. Sairastumisestaan Schlingensief kirjoitti teoksen ”So schön wie hier kann es im Himmel gar nicht sein”. Teatteriohjausten ohessa Schlingensiefin uusin projekti on syntymässä yhteistyössä arkkitehti Francis Keren kanssa Afrikan Burkina Fasoon. Projekti kantaa oopperatalon nimeä, mutta on ymmärrettävä laajemmin eläväksi ja jatkuvasti laajentuvaksi taide- ja kulttuurikompleksiksi, jonka yhteyteen tulee myös muun muassa koulu ja sairaala. Wienin Burgtheaterissa uusintaesitettiin huhtikuussa Schlingensiefin omaa sairautta ja Afrikka-projektin alkua käsittelevä Mea Culpa – ready made oper. Siellä hänen kanssaan keskusteli Satu Taskinen.   

CS: Wenn in Burkina Faso die Sintflut stattfindet und die Häuser werden weggespült, dann bauen die am nächsten Tag wieder die Häuser auf. Das ist deren Form von Erlösung. Das ist bei uns nicht so. Wir können uns gar nicht mehr selber erlösen. Wir haben völlig verlernt, was eigentlich Gefahr bedeutet. Was eigentlich Selbsthilfe bedeutet. Wir wollen immer, dass man uns alles ergibt, dass man völlig versorgt wird, aber wenn der Zug einmal 5 Minuten zu spät kommt, dann rufen wir zu Hause an und sagen, ich weiβ nicht ob ich ankomme. Das ist so absurd, ja! Dass man bei solchen Minisachen, wie dass der Zug hat Verspätung, man behauptet, man käme überhaupt nicht mehr an. Man hat den Anschluss verpasst zu einem System Körper-Geist-Mensch, der sagt: Ich komme auch ohne den Scheiβ klar, ich organisiere das gerade selber. Also dieses Selbstbewusstsein findet man in Afrika.

DATEN, Fakten, Hugo ball….

Mea culpa: märz 2009 (große Bühne) – zürich “sterben lernen” : ende 2009 (kammerspiel und draußen) – Via intolleranza mai 2010 (mittelgroße Festivalbühnen). also über ein jahr kein neues stück. da machen andere 4 bis 6 stücke im jahr… immer neue themen, immer neue sujets, zack, zack, zack… die maschinen rollen. bleib nicht zulange bei einem thema… – noch vor 6 jahren war das anders. da fragte mich jemand im interview: ach der animatograph, das ist doch wieder so eine eine schnelle idee… was kommt als nächstes… ich muß ehrlich sagen, das ich doch stolz bin die themen länger zu halten. sogar zu sehen, das sie länger bleiben, weil sie bestandteil des eigenen lebens geworden sind. das was literatur bewundert oder auch der film oder die bildende kunst, scheint im theatralischen bereich ein zeichen für stillstand zu sein. ich behaupte mal, das 4 bis 6 stücke ( die ein gefragter theatermensch in deutschland so im jahr auf die beine bringen kann) keinen wirklich neuen inhalt zeigen können, sondern nur eine gleichbleibende stilmethode anwenden. also nichts anderes als die portraitmaler am pariser eifelturm. man malt in seinem stil auf einem thema rum. eigentlich auf jedem…und das haus , an dem es stattfindet spielt eigentlich auch keine rolle mehr. ehrlich gesagt, kann ich so nicht mehr denken. eine ware von einem haus zum nächsten zu bewegen, ist nochmal etwas anderes: siehe theatertreffen. da geht dann der berliner hin und schaut mal schnell, ob das denn auch wirklich stimmt, was da in wien oder wo auch immer wirklich noch funktioniert hat. da aber der raum in berlin sowieso einen ganz anderen atem besitzt, ergibt das meist luftmangel für die, die sich voller freude an dieser auszeichnung auf den weg gemacht haben. also merke: theater handelt meist atemlos. und deshalb glaubt sich der betrachter meist als aussenstehender “gesunder”, der es kaum erwarten kann, den nächsten zug zu starten, der dem theatermenschen dann natürlich wieder fehlt. (deshalb hat die oper auch die statik für sich gepachtet, damit die körper nicht ausser atem geraten) auch eine qualität, aber was hat das heutzutage noch mit unserer zeit zu tun oder der zeit, zu der sich theater permanent verhalten will? – Hugo Ball, 1926: “Der Kranke belehrt die Gesunden. Kunst und Künstler haben das Höchstmaß ihrer Leiden erreicht. Der Kranke tröstet den Gesunden als den noch nicht der Dissoziierung Verfallenen, aber mit ihr Kämpfenden. Er tröstet ihn, indem er eine Einheit der Anschauungsformen in der fernsten Totemvorstellung des Wilden und den letzten Verwirrungen einer übervölkerten Kultur erweist. Er tröstet den Künstler, indem er zeigt, daß die intellektuelle Katastrophe den Kunst-(oder Heilungs-) Prozeß nicht zu stören vermag, sondern ihn fördert; daß also aller Voraussicht nach bei einer Verschärfung der jetzigen Situation die letzte Fackel der Menschheit, die Kunst, nicht verlöschen wird, fänden sich die Künstler auch in den Theatern unserer Zeit wieder…(…)”