UND HIER DIE KLEINEN BERICHTE AUS TOGO … WIE VERSPROCHEN…

LENNART LABERENZ SCHREIBT AUS TOGO UND VON ZWISCHENDURCH…

Moz-screenshot

FOTO – Copyright by Lennart Laberenz –
http://www.flickr.com/photos/twohundred2010/

http://www.flickr.com/photos/laberenz/sets/
liebe leute, der nächste schritt ist getan – ich bin gestern mit den lastwagen aus dem hafen in den zollhafen gefahren, terminal de sahel, etwa fünfundzwanzig kilometer vom hafen entfernt. die umgehungsstraße war so schlecht, dass wir etwa eine stunde gebraucht haben. zwischendrin wurde es dunkel und die bilder recht reduziert, z.t. wackelig ohne ende. ich sitze auf gepackten koffern: entweder es geht heute abend weiter, morgen früh oder, allerspätestens, am montag morgen. ich habe auch einen ganz guten fahrer, ein älterer mann, ivorer, hat den großteil seines lebens im lastwagen verbracht. der clou ist: er lebt in ouagadougou, kann also im späteren teil der dokumentation, wenn ihr ihn einladen mögt, wieder auftauchen.
beste grüße  l ————————— ich habe hier einen unglaublich interessanten menschen kennen gelernt, der fliehen musste von hier, der sich in deutschland durchgebissen hat vom tellerwäscher zum diplom-ingenieur. und der zurück gekommen ist, um inmitten einer brutalen diktatur hier ein kleines kinderheim mit aids-waisen zu betreiben, im norden ein zentrum, durch das 300 kinder in die schule gehen können. étienne heißt dieser mann und er findet, was du machst ist toll, er bewundert deine energie, er sagt: “genau das ist es, was wir hier brauchen.” ich hänge dir ein portrait über ihn an, dass ich in diesen nächten hier verfasst habe. ich versuche grade, es in deutschland an die presse zu geben, aber die kombination präsidentschaftswahlen-togo-gewalt-idealismus läuft nicht gut. ein paar kleinere zeitungen werden es nehmen. ich schicke dir das stück nicht aus eitelkeit, sondern um dir zu zeigen, was es hier für wache, kräftige menschen gibt – die von deinen ideen hören, denen deine arbeit wichtig ist. vielleicht können sie dir mehr mut machen, als ich dies aus der ferne vermag. alles liebe l ————————– …ich habe gerade mit Lennart telefoniert …  heute morgen um halb fünf sind sie aufgebrochen…  – vielleicht wisst ihr das aber natürlich auch alles schon… – und sie sind schon in der Mitte des Landes Togo,  wenn ich es richtig verstanden haben, wollen sie heute Sokode erreichen, die Verbindun war aber sooo schlecht und ist dann abgenippelt.. jedenfalls geht es ihm gut, und er denkt, morgen/uebermorgen die Grenze zu Burkina zu erreichen, ….. liebe Grüße, Sibylle  (Dahrendorf) –

WAS IN TOGO PASSIERT (in Kurzform) – UND NEUE BILDER VON ACHIM, DIE MIR MEIN FRÜHERER FREUND ECKI (EKI) GESCHICKT HAT !

Liebe Freunde, hier noch zwei kleine texte von lennart, der noch immer am hafen von lome wartet, dass die container mit dem totaltheater nach burkina faso aufbrechen. und dann noch drei fotos von achim, die mir ein ganz ganz alter freund von mir : eckhard kuchenbecker geschickt hat. ecki ist – darf ich sagen – einer der aller- allerbesten tonleute in deutschland. kennengelernt haben wir uns ca. 1983 in offenbach am main, als ich dort durch werner nekes, dem ich damals assistierte, einen lehrauftrag für filmtechnik an der hochschule für gestaltung in offenbach a.m. bekam. ecki , thomass göttemann, ralff malwirz, norbert schliewe, katrin, usw… gehörten alle zusammen… irgendwie waren wir eine sehr klasse truppe. in meinem kurs waren so um die 15 leute würde ich mal erinnern. und voxi bärenklau, den ich mittlerweile zu meinen allerengsten, und wichtigsten mitarbeitern zähle und der einer meiner ganz ganz engen freunde ist (voxi ist ein super kameramann, gestaltet das beste film- und eben bei mir auch theater – und opernbühnenlicht (mea culpa, parsifal, stand der dinge, usw… und natürlich kamera bei vielen filmen von mir oder von helge schneider, lichtbauer bei scorsese, unzählige arbeiten bei adolf winkelmann, und und und…)… da müßte voxi mal seine bio schicken. wenn da eine einzige kerze auf der bühne stehen würde und voxi würde sagen, dass ist so in ordnung, das soll hier das licht sein heute abend, dann würde ich das akzeptieren udn sogar richtig gut finden. ähnlich wie bei meika und heta bei den filmen, oder bein thomas goerge oder janina audick beim bühnenbild. soviel erstmal zu voxi…) und nun wieder zurück zu ecki. ecki und thomas goettmann, ralf malwitz, usw… wir waren sozusagen der harte kern aus der hochschule. wir haben damals sehr viele und sehr wilde feiern gefeiert. thomas spezialität war es z.b. in der nacht, wenn wir mal durch die strassen zogen, die stromaggregate an den baustellen in gang zu bringen. um 4 uhr morgens knatterten dann riesige maschinen und rundherum ging das licht an. und wir sind weitergezogen. eine feier war so heftig, dass nekes und ich am nächsten morgen kaum noch gehen konnten. meinee augen waren auch im bereich des weiß dunkelbraun und werner hatte so extreme aussetzer, dass er sogar 24 stunden später noch den wagen in frankfurt am bahnhoff stehenlassen musste. dorle – seine frau – hat damals behauptet, dass uns ecki, thomas, ralf usw… vergiftet hätten. davon war sie fest überzeugt und hat alle studenten verhört. jedenfalls wollte sie das… und einmal als ich sehr neben der kappe war, haben mich ralf , und thomas in einem eeinkaufswagen ins direktorenzimmer gerollt , wo ich dannmit vollem tempo gegen den rektorschreibtisch knallte. naja… ich weiß nur, dass die zeit damals ein traum waren. endlich mal wweg aus oberhausen… und alle studenten waren fast älter als ich. wenn ich was nicht wußte, bin ich aufs klo, wo ich die gebrauchsanweisung der arri 2C versteckt hatte. hab dann schnell nachgelesen und bin wieder in den klassenraum…. und dann haben wir auch ganz tolle filme gedreht. der eine hieß “my wife in five” …der war mit der bolex gedreht, hatte einige episoden, war z.t. selber entwickelt und teilweise auch handcoloriert. der film war wirklich eine sensationelle gruppenarbeit. leider weiß ich nicht ob es da noch irgendeinen filmrest von gibt. ach was würde ich danke sagen, wenn ich den film nochmal sehen könnte. auch auf video… wenn das jemand liest und den film hat oder weiß wo der sein könnte,… bitte bitte melden… und dann habe ich mit ralf malwitz, norbert schliewe, ecki, thomas, irene fischer, matthias colli, annaa fechter, alfred edel, …. und losowitsch… einem unheimlichen wahnsinnsschauspieler, der wohl auch in offenbach studierte, was ich aber nicht mehr so genau weiß. ecki hat damals script gemacht und thomas glaube ich war kameraassistent…. und dann kam MENU TOTAL . da war ralf malwitz schon kameraassistent glaube ich, und ecki steht lustigerweise unter kostüm… so entwicklet man sich….. und dann ist ralf malwitz leider gestorben. und zwar bei dreharbeiten von einem anderen teil der hochschule für gestaltung. da wurde in einer alten tante JU gedreht, die dann leider mit fast 50 menschen zu tief flog und dann in den wald stürzte. überlebt haben glaube ich nur 5 leute. und einer von denen war ecki ! der war da schon tonmann und hatte sich mit seiner “schul”-nagra in der bordtoilette eingerichtet. und das hat ihm wohl das leben gerettet.er ist beim aufprall mit der ganzen toilette rausgeschleudert. und als er aufwachte, war alles um ihn herum zerstört…. das war ganz schlimm. am selben abend habe ich ihn nämlich angerufen und da ging nur sein band an. ich habe dann draufgesprochen: “ach ecki,… die ganze filmerei… das ist doch mist… bringt nichts…. lass uns doch einfach was anderes machen… was hälst du davon wenn wir auf dem weihnachtssmarkt holzspielzeeug verkaufen…?” sowas habe ich ihm tatsächlich draufgesprochen. es war kurz vor weihnachten. und am ende meines anrufs hob ecki den hörer ab und schrie in den hörer: die sind alle tot… tot… tooooooot…… und knallte den hörer wieder auf. … ichb wußte nicht was er meinte… dann kamen die nachrichten. 20.00 uhr ARD. und da kam die meldung, dass ein flugzeug im hessischen raum… irgendwo da… in einem baum abgestürzt wäre… und es wären wahrscheinlich alle insassen tot. …ich weiß nicht mehr, ob ich das direkt zusammengedacht habe, aber ein paar stunden später habe ich dann bei ralf malwitz angerufen und auch bei thomas…. und bei ralf meldet sich niemand… denn er war auch abgestürzt und dabei umgekommen, genauso wie ein sehr junger student, der bei mir kurz vorher ein bischen kameraassistenz gemacht hatte oder mehr so mitgemacht hatte… auch er war tot… und in der strasse, aus der der regisseur des films kam, und die alle gerne mitgeflogen waren, weil es eben ein freifluig war, waren tot… unzählige waisen, oder zurückgebliebene…. das war wirklich ein schock… eine katastrophe… etwas, das immer im kopf war, wenn man beim drehen ein risiko einging…. ich meine mich zu erinnern, dass ecki sogaar kurz darauf wieder irgendwohin geeflogen ist. mit mir oder zu dreharbeiten oder einem filmfestival?… ich weiß es nicht…. aber er hat direkt gesagt, dass er weiterfliegt. aber vielleicht spinne ich jetzt nur noch…. meine erinnerungen sind sozusagen übermalt. “erinnern heißt vergessen.” und ab da haben wir noch mutters maske , kettensägen, terror 2000 zusammen gedreht… und gerade lese ich ralf malwitz beim kettensägenmasskaer dabei gewesen ist. auch bei mutters maske… wie soll das denn gehen? wann war denn dann der flugzeugabsturz… ich blicke gerade nicht mehr durch…. ist ralf erst später abgestürzt?… und ecki wird da plötzlich auf dem cover mit K geschrieben. also EKI. ???? ich glaube ich höre jetzt mal lieber auf… – ecki ist jedenfalls eki, ecki,…egal… er ist in meiner erinnerung ein sauguter kumpel gewesen ! ein extrem gewissenhafter mensch und freund. er war glaube ich immer ein bischen in tabea verliebt, mit der ich sehr lange zusammeen war. und er hat auch eine tochter, die er nach ihr benannt hat: tabea. … ach ja.,.. das waren tolle zeiten, gute freunde… aber kontakt habe ich nur noch zu voxi. und nun eben diese mail von eki. und die kam, weil er mir die fotos von achim geschickt hat, die ich hier mit seinem copyright reingestellt habe. … und ein foto von ihm mit seiner familie auch. er hat sich meiner meinung nach kaum verändert. und so wie es da ausschaut auf dem foto ist das eine superfamilie. die sind schon was besonderes glaube ich. und vielleicht sehen wir uns dannb doch nochmal… irgendwann… wenn ich bloß nicht so kompliziert wäre,… aber gerade jetzt… tut mir leid eki… uund den text von lennart setze ich morgen rein.-… gute nacht! oder jedenfalls bald….. C

Achim-4_bildgre_ndernAchim-5_bildgre_ndernAchim-6_bildgre_ndernFamilie01_2010_bildgre_ndern

DLD KONFERENZ IN MÜNCHEN – UND LENNART LABERENZ BEGLEITET DIE CONTAINER VON TOGO NACH BURKINA !

Bin ab sonntag in münchen dabei und suche weitere vernetzungsmöglichkeiten für das operndorf.
Weitere Informationen: http://www.dld-conference.com/2010/01/christoph-schlingensief.php
wie ich gerade gehört habe, sind die container mit dem totaltheater (13 stück) gestern in togo an land gegangen. und nun geht es mit 14 LKWs ab nach burkina faso. dauer der reise ca. 3 wochen. An Bord für uns ist Lennart, der die Reise der Container filmisch begleiten wird und dazu seine texte schreibt. ob er das auf der reise auch hinbekommt? keine ahnung. hier seine ersten kurzen berichte :—-15.1.2010: “so nun. lomé. nach grundständigen verspätungen bin ich heute morgen so gegen sechs hier angekommen: die stadt ist niedrig gebaut, im wesentlichen hütten, unübersichtlich, oft eingefallen, staubig mit einem ziemlich umfangreichen hafen, etwa zehn minuten mit dem mototaxi entfernt. wir haben etwa 32 grad, es ist leicht schwül, der himmel bedeckt, kein umwerfendes flintenlicht. der vormittag war produktiv, meine neue telefonnummer ist unten eingeblendet, die dinge gehen ihren gang. jetzt erst einmal: mittagspause und überlegen, wo ich etwas zu essen herbekomme. außerdem ist ja afrikacup, hoffe, den verfolgt noch irgendwer hier….liebe grüße lennart – 18.1.2010: “kurze rückmeldung – der erste morgendreh, das abladen des schiffes, ist sehr gut gelaufen. ich habe bilder vom obersten (monkey-)deck als topshot und vieles aus dem hafen. das ist ballett mit massen von material! heute nachmittag hoffe ich mit einem lastwagenfahrer in den hafen hineinfahren zu können, aufladen einer der opern-container und zum zoll. evtl. morgen, vielleicht aber auch erst übermorgen abreise nach norden. es macht richtig spaß! – best lennart”     —-      Fotos von Lennart : http://www.flickr.com/photos/twohundred2010/  —- weitere Arbeiten von ihm hier: http://www.flickr.com/photos/laberenz/sets/

SCHAU MIR IN DIE AUGEN KLEINES …………………….. Zu Rene Polleschs Abend gestern an der Volksbühne mit dem großen FABIAN HINRICHS !

Heinermller

Das Foto zeigt Achim von Paczensky als Heiner Müller in …………. ROCKY DUTSCHKE, 68
(wo am Ende des abends im hintergrund die ´89 abbrannte, und sich danach keiner mehr verbeugt hat, im gegensatz zu gestern abend ….)

Auch von mir einen herzlichen glückwunsch an fabian hinrichs und rene und bert und vor allem die volksbühne. da gehe ich nach fast 3 jahren abstinenz mal endlich wieder in das renovierte theater, wo sich rosinski noch bei einer füheren premiere von rene im prater ganz wunderbar erregte, weil er mit wem auch immer den plan ausgeheckt hatte die neu renovierte volksbühne mit plastikvorhängen so zu verhängen, dass – hihihi –  keiner die renovierung sehen könne, was sicher wowereit oder schmitz sicher sehr ärgern würde. na denkste ! ich bin darauf gar nicht in die volksbühne gegangen, weil ich auch dachte, na noch so ne blöde idee. aber gestern muß ich sagen fand ich den gesamten raum , den bert da – ja wie nennt man das ? – hat, überwältigend schön, beruhigend, anmachend und wahrhaftig. hier wurde das alte bernhard schützwort: “der raum überprüft uns und nicht wir den raum”, tatsächlich wirklichkeit. und als dann fabian an diesem riesigen ufokrise – raumschiff hing und in schwindelerregende höhen gezogen wurde, wie er dabei seinen sehnenkörper dabei extrem elegant in verschiedene körperformen brachte, die immerwieder zeigten: ja ! seht her ! cih weiß wie ich aussehe, und ich weiß auch wie unschön , aber authentisch und wirklich es bin, der da auf dem weg ins all ist. und gleichzeitig sagt ihm der raum was alles möglich wäre, läßt ihn aber gleich wieder ganz zart und liebevoll nach unten… und was macht fabian? er legt sich unter die scheinwerfer, bräunt sich, ruht sich aus, fühlt sich vom raum und seinen kräften in geborgenheit gebacht. und all das trotz des immensen drucks , den dieses haus mit seinen durchhalteparolen schon seit ewigkeiten ausübt. die volksbühne hatte immer diesen druck des : ich mach dich fertig,…und ich dachte immer es lag an den angestellten. aber seit gestern abend weiß ich, dass das gebäude gesprochen hat. das gebäude wollte höchstleistung sehen, es wollte, dass etwas passiert, was woanders nicht möglich ist, weil der raum schon so toto und kaputt, so kläglich nach text rufend, nach auflösung bettelnd, alles kleinkocht und funktionalisiert. die volksbühne scheint aber tatsächlich ein lebewesen zu sein, dass er jetzt verstanden hat, dass es auch mal lieb sein muß, dass um die liebe zu denen geht, die da auftreten. und wie der raum dann plötzlich mit fabian hinrichs verschmolzen ist, war ein großer moment, eine wunderbare spielfilmlänge ! und lese ich von zitaten, von auflösung von irgendwem und vorbildern, von glück, dass mnicht so schnell geesprochen wurde, und ich frage mich wieder, warum theaterkritik so wenig chancen hat, einfach mal über die macht des raumes, über die luftballons zu schreiben, die plötzlich am boden feststanden, und dann wie von geisterhand anfingen zur gitarre ihren platz zu verlassen, obwohl das verhältnis zwischen mit helium gefüllten luftballons und dem angehängten gewicht dermaßen stimmte, das die luftballons eigentlich in der luft hätten stehen bleiben können. hier aber flogen sie plötzlich los, und ich habe wirklichb nach dem faden gesucht, nach einem mitspieler in der zuschauerdecke, der den faden bewegt…. es hätte alles sein können, es war plötzlich alles so schwerelos. und ich bin auch froh, wenn dieser funktionalisierungswahn mit  text, bedeutung, einfall und verwertung endlich mal als miese absprache zwischen uns und einem die welt in keinster weise beeinflussenden medium wie theater thematisiert oder besser: erlebbar macht, glaubwürdig und zart. und das schafft rene hier. das ist ganz anders als in zürich, wo das bühnenbild noch soviele möglichkeiten hatte, dass man nicht mehr wußte was die darsteller wohl als erstes als blödsinn entlarven oder benutzen, oder was auch immer.  da war alles und somit auch gar nichts mehr möglich. und auch die glitzenden klamotten haben nichts gebracht. da waren alle noch der meinung es muß so sein wie es eben ist: show über keine show, aber im letzten moment dann doch wieder show… und zumindest wieder ein paar schöne gedanken… noch schneller, noch frapierender als sonst… spielen bis der arzt kommt, bis der text zu ende ist…. und jetzt gestern abend plötzlich: hinrichs, fabian,.. die eltern im publikum. nervös… und der sohn fast nackt, dürr, durchtrainiert und gesundgehungert. kein glitzerstoff konnte täuschen, kein bühnenbild überwältigen. alles war plötzlich reiner raum-körper…raum/zeit/körper…. ich danke sehr! und das buch, das ich auffangen durfte war: “gottfried benn: gehirne” gehören zu den Meisterwerken der deutschen expressionistischen Prosa, sagt die Faz und freut sich, dass die bücher noch so kostengünstig zu haben sind. schön! und was lese ich als erstes als das heftchen in meinen händen gelanet ist ? :”Also: nun liebte er. Er spürte in sich hinein: Das Gefühl. Den Überschwang galt es zu erschaffen gegen das NICHTS….” danke , danke , danke ! an diesem abend stimmte wirklich alles ! Da habe ich richtig Lust bekommen auch mal wieder an die Volksbühne zurückzukehren,… jetzt wo der Raum bemerkt hat, dass er seine Körper auch mal wieder lieben muß…. CS

SCHAU MIR IN DIE AUGEN KLEINES …………………….. Zu Rene Polleschs Abend gestern an der Volksbühne mit dem großen FABIAN HINRICHS !

Heinermller

Das Foto zeigt Achim von Paczensky als Heiner Müller in …………. ROCKY DUTSCHKE, 68
(wo am Ende des abends im hintergrund die ´89 abbrannte, und sich danach keiner mehr verbeugt hat, im gegensatz zu gestern abend ….)

Auch von mir einen herzlichen glückwunsch an fabian hinrichs und rene und bert und vor allem die volksbühne. da gehe ich nach fast 3 jahren abstinenz mal endlich wieder in das renovierte theater, wo sich rosinski noch bei einer füheren premiere von rene im prater ganz wunderbar erregte, weil er mit wem auch immer den plan ausgeheckt hatte die neu renovierte volksbühne mit plastikvorhängen so zu verhängen, dass – hihihi –  keiner die renovierung sehen könne, was sicher wowereit oder schmitz sicher sehr ärgern würde. na denkste ! ich bin darauf gar nicht in die volksbühne gegangen, weil ich auch dachte, na noch so ne blöde idee. aber gestern muß ich sagen fand ich den gesamten raum , den bert da – ja wie nennt man das ? – hat, überwältigend schön, beruhigend, anmachend und wahrhaftig. hier wurde das alte bernhard schützwort: “der raum überprüft uns und nicht wir den raum”, tatsächlich wirklichkeit. und als dann fabian an diesem riesigen ufokrise – raumschiff hing und in schwindelerregende höhen gezogen wurde, wie er dabei seinen sehnenkörper dabei extrem elegant in verschiedene körperformen brachte, die immerwieder zeigten: ja ! seht her ! cih weiß wie ich aussehe, und ich weiß auch wie unschön , aber authentisch und wirklich es bin, der da auf dem weg ins all ist. und gleichzeitig sagt ihm der raum was alles möglich wäre, läßt ihn aber gleich wieder ganz zart und liebevoll nach unten… und was macht fabian? er legt sich unter die scheinwerfer, bräunt sich, ruht sich aus, fühlt sich vom raum und seinen kräften in geborgenheit gebacht. und all das trotz des immensen drucks , den dieses haus mit seinen durchhalteparolen schon seit ewigkeiten ausübt. die volksbühne hatte immer diesen druck des : ich mach dich fertig,…und ich dachte immer es lag an den angestellten. aber seit gestern abend weiß ich, dass das gebäude gesprochen hat. das gebäude wollte höchstleistung sehen, es wollte, dass etwas passiert, was woanders nicht möglich ist, weil der raum schon so toto und kaputt, so kläglich nach text rufend, nach auflösung bettelnd, alles kleinkocht und funktionalisiert. die volksbühne scheint aber tatsächlich ein lebewesen zu sein, dass er jetzt verstanden hat, dass es auch mal lieb sein muß, dass um die liebe zu denen geht, die da auftreten. und wie der raum dann plötzlich mit fabian hinrichs verschmolzen ist, war ein großer moment, eine wunderbare spielfilmlänge ! und lese ich von zitaten, von auflösung von irgendwem und vorbildern, von glück, dass mnicht so schnell geesprochen wurde, und ich frage mich wieder, warum theaterkritik so wenig chancen hat, einfach mal über die macht des raumes, über die luftballons zu schreiben, die plötzlich am boden feststanden, und dann wie von geisterhand anfingen zur gitarre ihren platz zu verlassen, obwohl das verhältnis zwischen mit helium gefüllten luftballons und dem angehängten gewicht dermaßen stimmte, das die luftballons eigentlich in der luft hätten stehen bleiben können. hier aber flogen sie plötzlich los, und ich habe wirklichb nach dem faden gesucht, nach einem mitspieler in der zuschauerdecke, der den faden bewegt…. es hätte alles sein können, es war plötzlich alles so schwerelos. und ich bin auch froh, wenn dieser funktionalisierungswahn mit  text, bedeutung, einfall und verwertung endlich mal als miese absprache zwischen uns und einem die welt in keinster weise beeinflussenden medium wie theater thematisiert oder besser: erlebbar macht, glaubwürdig und zart. und das schafft rene hier. das ist ganz anders als in zürich, wo das bühnenbild noch soviele möglichkeiten hatte, dass man nicht mehr wußte was die darsteller wohl als erstes als blödsinn entlarven oder benutzen, oder was auch immer.  da war alles und somit auch gar nichts mehr möglich. und auch die glitzenden klamotten haben nichts gebracht. da waren alle noch der meinung es muß so sein wie es eben ist: show über keine show, aber im letzten moment dann doch wieder show… und zumindest wieder ein paar schöne gedanken… noch schneller, noch frapierender als sonst… spielen bis der arzt kommt, bis der text zu ende ist…. und jetzt gestern abend plötzlich: hinrichs, fabian,.. die eltern im publikum. nervös… und der sohn fast nackt, dürr, durchtrainiert und gesundgehungert. kein glitzerstoff konnte täuschen, kein bühnenbild überwältigen. alles war plötzlich reiner raum-körper…raum/zeit/körper…. ich danke sehr! und das buch, das ich auffangen durfte war: “gottfried benn: gehirne” gehören zu den Meisterwerken der deutschen expressionistischen Prosa, sagt die Faz und freut sich, dass die bücher noch so kostengünstig zu haben sind. schön! und was lese ich als erstes als das heftchen in meinen händen gelanet ist ? :”Also: nun liebte er. Er spürte in sich hinein: Das Gefühl. Den Überschwang galt es zu erschaffen gegen das NICHTS….” danke , danke , danke ! an diesem abend stimmte wirklich alles ! Da habe ich richtig Lust bekommen auch mal wieder an die Volksbühne zurückzukehren,… jetzt wo der Raum bemerkt hat, dass er seine Körper auch mal wieder lieben muß…. CS

NACHRUF AUF WWW.NACHTKRITIK.DE VON WOLFGANG BEHRENS

Das hat mich und viele sehr gefreut, dass nachtkritik.de auch einen nachruf geschrieben hat,
den ich jetzt hier reinstelle…:

Eine Rose für Achim

4. Januar 2010. Achim von Paczensky ist tot. Ich habe erst gestern davon erfahren, denn die FAZ, die im Silvesterurlaub mein Fenster zur Welt war, hat es natürlich nicht gemeldet. Vielleicht hätte ich noch vor ein paar Tagen auf die Frage, was eigentlich Achim von Paczensky mache, gesagt, dass ich es nicht wisse und es mich eigentlich auch nicht interessiere. Nun aber, da er tot ist, bin ich ehrlich traurig. Denn wenn ich es recht besehe, verdanke ich Achim von Paczensky einige der schönsten Momente meiner Theaterzuschau-Karriere. Also meines Lebens.

1998 war Achim von Paczensky der Spitzenkandidat der Schlingensief-Partei Chance 2000, und als solcher tauchte er sogar auf meinem Wahlzettel auf (ich habe ihn, das muss ich der Ehrlichkeit halber sagen, damals nicht angekreuzt). Am Abend der Bundestagswahl, am 27. September, veranstaltete das Schlingensief-Team in der Berliner Volksbühne eine irrwitzige Wahlparty ohne ARD und ZDF, aber mit gefaketen Ergebnissen. Irgendwann ertönte überlaut irgendeine monumentale Musik, das Publikum im Saal sprang begeistert auf, und Achim von Paczensky zog ein – grenzenloser Jubel!

Spitzenkandidat und epischer Protagonist

Der Augenblick atmete eine wunderbare Anarchie: Nicht eines dieser glattgeschliffenen Medienprodukte, die sich Politiker nennen, wurde adoriert, gefeiert wurde hier: ein Mensch! Ein Mensch mit Behinderung obendrein! Schlingensief hat damals im Grunde relativ zynisch massenmediale Inszenierungsstrategien für sich und seine Sache genutzt, vermutlich war alles kühl kalkuliert. Und doch hat es mir die Tränen in die Augen getrieben. Achim von Paczenskys wegen.

Dann erinnere ich mich an die Feierlichkeiten am Berliner Ensemble zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht: Dort richtete Schlingensief im Rahmen eines Fragmentschau-Spektakels die Uraufführung einiger “Rosa Luxemburg”-Entwurfs-skizzen von Brecht an. Als Protagonisten standen der dicke Werner Brecht (auch er ist vor einigen Jahren verstorben) und Achim von Paczensky im Mittelpunkt – ein komisches Duo, wie es auf deutschen Bühnen vorher und nachher wohl nicht mehr zu sehen war. Eine der Hauptattraktionen im Spiel der beiden war, wie sie sich gegenseitig daran erinnerten, was als nächstes zu tun sei. Sie machten das mit halblaut gezischten Zurufen oder mit nur äußerst schlecht versteckten auffordernden Gesten. Manches Mal gerieten sie auch in Streit. Epischer ist Brecht nie aufgeführt worden, witziger auch nicht.

Das Grundrecht auf eine Bühne

Nach einer der nur drei Aufführungen (die ich alle gesehen habe, da jeden Abend etwas völlig Anderes passierte: einmal prügelte sich Schlingensief auch mit einem Zuschauer, wovon ein anderes Mal zu berichten wäre) stritt ich mich im Garten der BE-Kantine mehrere Stunden lang mit Freunden, ob die behinderten Darsteller bei Schlingensief instrumentalisiert würden. Ich verneinte das vehement, und ich weiß noch, dass ich das Argument Herbert Feuersteins “Jeder Behinderte hat ein Recht auf Verarschung” abwandelte in: “Jeder Behinderte hat das Recht auf eine Bühne.” Warum sollte Achim von Paczensky nicht dort stehen, wo Gert Voss und Martin Wuttke standen?

Weitere Achim von Paczensky-Erinnerungssplitter aus meinem Fundus: In “Talk 2000” stellt Talkmaster Schlingensief dem Talkgast Ingrid Steeger den (damals bereits verstorbenen) Dramatiker Heiner Müller vor, der sich als niemand anderer als Achim von Paczensky entpuppt. Schlingensief lässt die beiden vor laufenden Kameras allein, was von Paczensky in stoischer Ruhe meistert, die Steeger jedoch aus der Fassung bringt. Und dann geistert mir noch ein ekstatischer Schlingensief-Refrain im Kopf herum, den ich nicht mehr zuordnen kann: “Achim von Paczensky verteilt die Geschenke, Achim von Paczensky verteilt die Geschenke!” (oder hieß es: “Achim von Paczensky serviert die Getränke!”?)

Es ist eine der großen Fähigkeiten von Christoph Schlingensief, dass er Menschen zum Leuchten bringen kann. Den Menschen Achim von Paczensky hat er zum Leuchten gebracht. Beiden sei Dank dafür. Ich lege für Achim von Paczensky eine virtuelle Rose nieder.

(wolfgang behrens)

ACHIM IST BEERDIGT !

Img_0054

War doch trauriger als ich gedacht hatte. man macht sich ja vorher seine gedanken. kerstin meinte auf der hinfahrt , dass sie sicher sehr heulen würde. auf der rückfahrt meinte sie dann aber, dass sie doch nicht heulen musste. beim werner brecht hätte sie allerdings rotz und wasser geheult. norbert, ihr mann, hörte zu. kerstin meinte auch, dass der achim ein feiner gewesen wäre, und dass er wahrscheinlich doch zuviel gesoffen hätte. helga hätte gemeint, er hätte abends gerne mal bier getrunken. und die helga täte ihr sehr leid. der achim hätte sie kerstin mal zum wein eingeladen, als wir in duisburg für kirche der angst geprobt haben. da wäre sie schon sehr verwundert gewesen. und die helga lässt der einfach oben im hotelzimmer liegen. da haben aino und ich sie allerdings in der richtung korrigieren müssen, dass helga in duisburg wegen eines krankenhausaufenthalts nicht dabei sein konnte, und dass dafür kerstins mann norbert oben im zimmer geblieben wäre. norbert bestätigte das. kerstin tat verwundert. na jedenfalls ist kerstin immer mal verwirrt gewesen. achim wollte sie wohl mal heiraten, aber das wollte sie dann nicht. andererseits wäre es natürlich doch interessant gewesen sich das mal vorzustellen. und nun sei es eben norbert. und wie der wäre wüßten wir ja alle… da würde sie lieber nix mehr zu sagen… so ungefähr die anreise. und dann in wildau am friedhof standen bereits leo, julian und sogar tobi, der mittlerweile keine bühnenbilder mehr plant und baut, sondern lieber eine weinlehre begonnen hat. in der schweiz. da wo er herkommt. winzer will er werden. und wir haben uns seit meiner diagnose vor 2 jahren eigentlich nicht mehr gesehen. war eine komische zeit mit uns , aber jetzt war es dafür umso schöner. achim hat uns sozusagen wieder zusammen gebracht. ich war einfach doch zu verkrampft in mancherlei hinsicht. und dann wird man bei so einer scheiße wie dieser krebszeit sogar einem seiner besten freunde gegenüber ungerecht… naja… schnee drüber… es war ganz schön kalt. und achims grab lag wirklich sehr schön zwischen zwei großen und einem kleinen baum. richtig exponiert. nicht in einer reihe, sondern einzeln. wer es mal besucheen will: (wenn man mit dem rücken zur kirche steht, links in den weg, ca. 30 meter geardeaus, dann wieder links und dann läuft man fast darauf zu. helga hatte auch einen kranz. darauf stand: deine heißgeliebte frau ! und helga hat auch am offenen grab, nachdem achims sarg bereits heruntergelassen worden war, ein ganz neues gedicht aufgesagt, was sie extra gelernt hatte. und als alle fertig waren, mit erde reinwerfen und blumen ablegen oder werfen, da ging sie nochmal vor das grab und sagte: “leider kann hans joachim nun unseren 6. hochzeitstag nicht mehr erleben.” sie verbeugte sich, ging zu frau westphal, hakte sich ein und ging langsam zuzrück zur kirche. danach sind wir noch zum großen teil in die cafeteria gegangen und da fiel allmählich die trauer von unseren seelen. helga hat viel erzählt, von achim, von früher, hat viele fragen zur gesundheit gestellt, hatte keinen hunger auf kuchen, schenkte mir zwei computerspiele-cds, unterhielt sich angeregt mit kerstin über die männer, das glück…. und das schönste war für mich bei allen zweifeln und grübelein zu gott und der frage des glaubens, ja, aber wie…. als helga mich plötzlich anschaute und sagte: sag mal christoph glaubst du an gott? und da habe ich gesagt: eigentlich schon…. und da antwortete sie sehr kräftig: “ich auch. weißt du,… mir ist doch schon sehr oft etwas sehr sehr schönes passiert, dass ich denke, dass kann nur ein gott gemacht haben !”   und da bin ich innerlich etwas zusammengesackt. vor glück und auch vor schmerz, dass helga, die in ihrem leben mehr als 50 elektroschocks bekommen hat, keine kinder bekommen durfte, viele zusammenbrüche und klinikaufenthalte hat und hatte, und nun auch ihren so geliebten achim verloren hat, soetwas sagte, war schlußendlich der beweis, dass glück und glauben, zufall und fügung, sünde und verbrechen außerhalb eines götllichen systems liegen müssen. helga ist für mich jedenfalls so eine art zeichen, dass mit ihr etwas passiert, was kein religionsjäckchen verdient hat! helga hat ihren eigenen draht! und da muß man wirklich sagen: das ist der weg ! da müssen wir hin. weg vom religionsjäckchen, hin zu dem kanal, der uns mit diesem göttlichen system verbindet, und der uns immer begleiten wird. im leben wie im tod… in keiner beschränkung, sondern in der vollen eigenverantwortung dessen, was man selber bereit ist zu sein. wer das in sich erkennt hat die möglichkeit weiter zu denkeen und zu fühlen und zu gehen als viele, die vor dem altar oder auf dem gebetsteppich oder der klagemauer halt machen. werden diese bilder nicht immer mehr zur frace ? was soll man vor einer mauer, vor einem altar, auf einem stückchen teppich? was sollen diese beschränkungen, die man uns da beigebracht hat. ich habe beim besten wissen und gewissen nichts gegen rituale. sie sind ausgesprochen wichtige mitarbeiter, aber die wirkliche magie des lebens ist das bekenntnis der eigenverantwortung ohne kreuzchen und gewimmer oder irgendwelcher paraadiesischen heilsversprrechen. wir sind doch alle wesentlich weiter als diese märchenparks. achims beeerdigung war zwar in einer kapelle, ob katholisch oder evangelisch konnte keiner genau erkennen. am anfang lief ein lieblingsschlager von ihm: Aurora Lacasa “Hier, wo das Meer zu Ende ist”  von 1974. (danke für den titel an die mitleser!)  irgendwas mit dem ufer, dass zu ende geht oder der tag, der zuende geht… sogar kerstin kannte den titel wie aus der pistole. erst war es fremd, doch dann stimmte es mehr als ein großer gott wir loben dich! und als ich oben was gesagt habe, mußte ich plötzlich sogar heulen. erst da habe ich begriffen was achim am meisten ausgemacht hat, und das war seine authentizität. das war achim und nichts als achim. da war wirklich mal jemand der, der er wirklich war !  und helga freut sich sicher über jeden anruf oder auch mal über einen besuch….