LESUNG IN BOCHUM !

Das war eine große Freude ! Danke an alle, die gekommen sind. Für alle, die nicht mehr reingekommen sind nur die kurze ankündigung, dass ich wahrscheinlich nächstes jahr im februar oder märz nochmal komme. Danke auch für die vielen spenden und „geschenke“. Fast 10000 euro sind zusammengekommen. Über 120 spendenbögen wurden gekauft !  die nächste lesung ist am 18.12.2009 im akademietheater in wien. Und über das treffen mit bundespräsident köhler und dem benefizessen gestern abend berichte ich später. Heute ist noch die vorlesung und diskussion mit francis kere und mir bei : Stephan Trüby AADipl.Head Master of Advanced Studies Program in Scenography (MAS) Institute of Design and Technology Zurich University of the Arts Limmatstr. 45 CH-8031 Zurich http://sceno.zhdk.ch/ … beginn 19.00 Uhr… deshalb auch nur diese kurze meldung! Viele grüße… CS

Advertisements

SCHLINGENSIEF GEGEN BAYREUTH ? ACH JA ?

Ohje Ohje, was ist denn da schon wieder passiert ? sogar manuel brug stürmt gleich zur tatstatur und muß bayreuth zur seite springen. Kriegen die da geld für? Ich habe anlässlich meiner „lesereise“, auf der ich keine Seite aus dem Buch lese, sondern 2 bis 3 stunden über die arbeit und das projekt in burkina faso berichte, und am ende soviel geld einsammel wie ich nur kann, weil für die finanzierung natürlich jeder pfennig benötigt wird, ein interview mit der rheinischen post geführt. Darin ging es um – natürlich – krebs, glauben, kirche, das burkina-projekt und in einem sehr kleinen absatz auch über bayreuth. Frage: würden sie in bayreuth nochmal inszenieren. Daraus hat die RP eine reisserische pressemeldung gemacht. Das erstmal dazu. Bayreuth scheint also das thema zu sein. Nichts anderes ist interessant, und wenn das auch noch vom angeblichen provokateur kommt, dann stimmt die kasse, dann kann der platz beruhigend gefüllt werden. Und manuel brug, der doch immer so amüsant schreibt, also eher locker und deshalb auch meist sehr unterhaltsam, wird plötzlich zum anstandsonkel von bayreuth. Deshalb folgende dinge:

DAS KLANGWELTWUNDER VON BAYREUTH:  ich habe nichts gegen die übertragung von opern in die ganze welt per satelitt oder morsesprache. Alles kein vergleich zum standort bayreuth! ich bleibe deshalb dabei, dass das public viewing in bayreuth, das  von einigen musikkritikern als der inbegriff des fortschritts hochgejubelt wurde, nichts mit bayreuth zu tun hat und reine täuschung ist. Komischerweise bin ich da weitaus konservativer als manuel brug und die wächter des wahren wagnergeistes.  Der klangkörper des bayreuther festspielhauses ist einzigartig und wenn zum beispiel die bayerische, und die bundesregierung mit ihrer oberwagnerianerin merkel diesen ort wirklich als „DAS KULTURGUT“ ansehen würden, mit dem sie so gerne für sich selber werben,  dann hätten sie dieses klangweltwunder mit einem zweiten oder sogar einem eigenen orchester ausgerüstet, und für die „gemeine“ Bevölkerung geöffnet. Natürlich gäbe es dann nicht immer die gleichen sänger, aber das könnte ein programmheft sicher ganz leicht erklären. Oder eben ein kleiner bericht eines musikkritikers mit gutem gedächtnis, der den lesern dabei hilft, den stellenwert des sängers zum beispiel im vorfeld schmackhaft zu machen. Das ganze dann ins netz gestellt als kleines sängerlexikon und schon wäre burgfrieden.   Die regierung würde den stellenwert bayreuths endlich aus den möchtegern-königshaus-amibitionen der familie wagner befreien und das elitäre treiben beenden. 3 monate im jahr und dreimal soviele leute könnten dieses klangwunder selber anhören und müßten nicht vor irgendwelchen lautsprecherwänden sitzen. (oder stimmt das mit der kartennachfrage etwa gar nicht?)

ABHÖRMIKROS IN BAYREUTH: „Schlag nicht auf die Hand, die Dich füttert.“ Ui ui ui…… ich habe nun wirklich oft genug gesagt, dass ich die arbeit am parsifal als ein sehr großes glück empfinde, für das ich wolfgang wagner, gudrun und katharina sehr dankbar bin. Katharina hat nun selber desöfteren gesagt, dass gerade meine arbeit sehr viele gute dinge und veränderungen nach bayreuth gebracht hat, die auch sie in ihrer arbeit und in ihrer bayreuther arbeit nutzen (interviews liegen vor). Warum also dieser oberlehrerton? Vielleicht habe ich genauso von bayreuth gelernt und profitiert wie bayreuth von unserer für das haus ungewöhnlichen arbeitsweise und dem nicht zu unrecht gelobten ergebnis. Dass es auf dem grünen hügel allerdings ziemlich faschistische methoden gab, abhörmikros in einigen zimmern, spitzelangestellte, usw… können sicher auch viele mitarbeiter, sänger, regisseure, z.b. auch jürgen flimm oder die verwandte eva bezeugen. Nur bei mir klingt es gleich links oder radikal oder eben provokativ. Es war einfach die wahrheit. Gudrun hat ihre eigene tochter nachts rausgeschmissen, schlösser ausgetauscht und sie nie mehr ins haus gelassen. Und davon gibt es viele wahre geschichten. Und die haben übrigens mittlerweile auch kultstatus.

DIE VERFILMUNG DES PARSIFAL:
Damit auch die ewige spekulation über die nicht erfolgte verfilmung meines parsifal mal eine neue wendung bekommt: es gibt 2 durchgehende aufnahmen von der premiere und aus dem dritten jahr. Desweiteren fast 3 stunden in sehr guter DV qualität. Das material befindet sich in meinem besitz. Es dürfte also der nachwelt sehr wohl möglich sein die produktion zu beurteilen.

résumé: Bayreuth ist für mich noch immer der spannendste ort, um richard wagners idee zu hören und zu diskutieren. Und genau das wird man nicht durch massenveranstaltungen auf marktplätzen erreichen. Bayreuth muß man besuchen, um neben all den anderen opern, wenigstens einen ort zu erleben, den ein komponist speziell für seine ideen errichtet hat. Jedenfalls in diesen dimensionen. Und genau dort auch als ort der diskussion seiner zum teil stark verirrten schriften.  Genau das sollte alles gepflegt und gefördert werden. Die bundesregierung muss sich fragen, warum sie diesen ort einer solchen fehlinterpretation ausliefert. Gerade nach dem abdanken von wolfagng wagner. Warum finanziert man diesen ort nicht als kulturelles gut ? und zwar so, dass auch die bevölkerung etwas davon hat und nicht nur elitäre aufmärsche für die berichterstatter, die sich zum teil sehr gerne in solchen kreisen aufhalten, um auch ihrem eigenen elitären gehabe zucker zu geben. In diesem sinne gebe ich meinem elitären anspruch zucker und verlese morgen in bochum auch noch ein paar lustige briefe aus bayreuth. Briefe, die nur ich besitze ! und dann sammel ich geld, geld, geld, weil es wichtigeres gibt als die meinung, man würde seine sachen nur bewerben, um damit für sich selber geld zu machen. ( na dann warte ich mal auf die kommentare, ab wann etwas selbstlos ist und ab wann….)

WG: WETTBEWERB DER TIERE BEENDET !

Nach dem gestrigen Besuch des Züricher Zoos steht nun 2 Gewinner des Arche-Noah Wettbewerbs fest. Es sind CHUCHU der Orang Utan und FLIPPI der Frosch. Beide haben sowohl die Buschratten als auch Löwe und Antilope vom Rettungsplan verdrängt. Und das das durchschnittseinkommen auf madagaskar bei 460 CHF liegt und das eines schweizers bei 68.000 CHF sei hier nur nebenbei erwähnt. Also rettet den regenwald und hört auf mit eurem blöden sojazeug und palmöl, usw….. nur wenn FLIPPI der frosch draufklebt ist alles okay. Dann könnt ihr ruhig eurem ökotrieb weiter nachgehen. Und noch was: wenn man in zürich ökoartikel einkauft und dann an die bioläden in berlin denkt, dann muß wird einem fast übel. Der biofaktor in berlin hat einen um 200 prozent höheren fakefaktor als die bioartikel in der schweiz. Aber auch das ist kein grund in die schweiz zu ziehen. Hier steht fremdenhass noch extremer auf der tagesordnung als in berlin und umgebung oder in dortmund, um nur ein paar beispiele zu nennen. In der schweiz stimmen sie über jeden scheiß ab, und was herauskommt, wenn nur plakatwände über mehrheitsverhältnisse abstimmen, kann man hier sehr deutlich sehen.also finger weg von direkter demokratie. Das wär ja wohl das allerletzte, wenn ohne parlamentspalaver irgendwer durch seine stimme massive politische entscheidungen beeinflussen könnte. Hier gibt’s riesige plakate mit einer person in der burka, dahinter ein minarett. Und die schrift brüllt: STOP! – JA zum Minarettverbot ! – ich frage mich warum hier in der schweiz nicht schon ein paar anschläge stattgefunden haben. Aber das kommt sicher bald. Vielleicht von deutschen, denn die haben hier auch nichts zu lachen. Weil sich die deutschen hier so kräftig eingekauft haben, sprechen die schweizer nur noch diesen kinderdialekt mit ügli und ögli… machen alles noch kleiner als ihr land wirklich ist, und würden die deutschen am liebsten aus dem land jagen. Aber wir bleiben hier ! und wir werden den untergang blochers in 7 jahren mit lauter europafolklore begrüßen ! blocher ist der inbegiff von egozentrischer demokratie… dann schon lieber FLIPPI UND CHUCHU…..  

ChuchuFlippi

BABY JANE – Wir sind nur so gut wie wir mal waren…

GESTERN ABEND im neumarkttheater gewesen. Schwierig mit so vielen leuten, die alle zu einer strassenbahnhaltestelle dackeln und dann ohne erwartung , aber erwartungsfromm zu einem sensationellen spielort fahren. Ich hätte da gerne musik gehört.. oder töne aus dem originalfilm mit bette davis und j.crawford. und vielleicht auch ohne licht… nur so da sitzen die töne hören, durch die nacht fahren und rausgucken. Das wäre idealer gewesen. Aber dann steigen wir aus, gehen los, wieder wie die dackel. Ich mag sowas nicht. Da sind soviele unangenehme strahlungen vor premieren. Oder sowieso vor vorstellungen. Ich bilde mir dann immer ein ich würde da den oder die kritiker/in sehen. Manchmal ist das auch so. da sieht man jemanden und der sieht dann plötzlich aus wie der oder die. Und dann kriege ich alte erinnerungen. So krämpfe von früher. Ich kann das nicht mehr. Deshalb gehe ich auch lieber nicht mehr so oft raus zu diesen veranstaltungen. Und dann noch der latente druck: „na wie fandest du das denn? War doch ganz gut, oder? … na normalerweise mag ich ja video nicht, aber hier war es wirklich glaubhaft und für den raum angemessen.“  Alles kein problem. Augen zu, ohren zu, ab und zu mal lächeln oder hallo rufen… frühere freundin von tabea war auch da. Hat wohl die kostüme gemacht. Ich wußte nicht wohin mit ihr… dann sagte sie, sie wäre doch die langjährige freundin von tabea damals in hamburg gewesen… und peng… da kam die erinnerung. Jutta ! die war nett. Und ihre kostüme waren auch gut gestern abend. Vor allem das baby jane kostüm für mira… großartig! Mira patecke als übergrosse käthe kruse puppe.. oder hieß die anders.. irgendwas mit kruse. Und überhaupt der abend begann zwar knapp am schülertheater vorbei, was ich ja auch liebe, aber irgendwie hatte ich dann doch angst, dass das alles so bleibt, aber dann wurde es in sich manchmal interessant instabil. Es wackelte sozusagen…. Mira hat wohl mehr gemacht oder zumindest anderes als geplant, und das gab dem ganzen wahrscheinlich diesen guten unterboden. Irgendwann im letzten drittel war das spiel zwischen uns als zuschauern und den akteuren, sehr gut auch yvon jansen – mußte sofort an alte volksbühnentage denken und dachte auch noch… yvon hat sich ganz schön gemacht. Die war immer nett, aber gestern abend war sie noch schöner als früher und vor allem sehr gradlinig. Tonmässig überhaupt keine gefahr in sicht, vielleicht fehlt sogar ein leichte fehler im sprechen, irgendwas was reibt, dann wäre sie sicher auch in 10 jahren noch weiter als jetzt. Und wie sie uns als querschnittsgelähmte um ein bonbon gebeten hat war EINS A SPITZE ! der männliche part des abends neigt zwar zum clownesken, aber andererseits hat er genau die ruhe und leichtigkeit, die bei solchen damen auf der bühne oder besser im haus, nicht so leicht herzustellen ist: sigi terpoorten. Vielleicht erinnert es auch an die gute humorebene der niederländischen künstler, die ich da mit seinem namen zusammengebracht habe. Erstaunlich und trotzdem frage ich mich ja immer, wäre der bei dir denn auch gut. Oder wie wäre der oder die bei dir?…. oder wem würde ich diese person mal empfehlen, damit die bei dem oder der anderen regisseurin/regisseur mal etwas neues einbringt oder auch die gute alte routine durcheinanderbringt. Theater ist gar nicht so schwer wie es aussieht…. Und man übt wahrscheinlich deshalb so gerne 2 x 4 stunden am tag, damit man kein schlechtes gewissen hat. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das theater in vielen punkten einem grad von hysterie hinterherjagt, die es als produktionskraft versteht, und die in wirklichkeit nicht mehr als gespielter wahnsinn bedeutet. Die erste formen der hysterie (Die unerhörte Botschaft der Hysterie von Lucien Israel nicht vergessen!) waren natürlich theatralische vorführen einer süßen frau vor alten bärtigen professoren. Also eine wechselwirkung. Sie bekam ihre ruhe, wenn sie vorher die einzelnen stellungen durchexerziert hatte. Und so läuft es auch am theater… die gänge halten ausschau nach hysterischen prozessen, um das punktekonto danach zu bewerten, wieviel kraft eingesetzt wurde, egal ob damit etwas angefangen wurde oder nicht. Mir kommt es gerade in dieser zeit von neunem kräftehaushalt in meinem leben so vor, dass man manchmal in 1 stunde weitaus produktiver sein kann als in 8 stunden. Man muss eben einen klaren kopf haben, alle kräfte bündeln und mit dem „theater“ aufhören…. Wenn man aber schon morgens zur probe kommt und 80 prozent der mitarbeiter noch nach alkohol vom vorabend stinken, dann weiß man, das hier nur gewartet werden kann. Und um an der ausnüchterung anderer teilzunehmen, ist mir meine zeit zu schade. Dasselbe gilt aber wahrscheinlich für viele berufe im künstlerischen. Auch im journalistischen, was früher auch mal eien kunst war. Aber wenn man sich vorstellt, wie da manche leute jeden tag seite um seite füllen müssen, obwohl sie wissen, dass nur jeder 1000. Artikel einen kleine diskussion anwirft, so ist das eigentlich handwerkskunst. Füllen, weil risse aufgetaucht sind..,. oder eben kunst am bau.. je nach journalistischem selbstverständnis, wobei ich es hier sogar in den bereeich der kunst erhebe. – nun aber nochmal kurz zurück zu baby jane. Mir hat es gefallen und die frage ob es sich nicht doch an manchen stellen um schülertheater gehandelt hat, bleibt bestehen, was ich in großen bereichen sogar positiv finde. Ich finde das neumarkttheater erwischt gerade diesen riss des theaters, der schon lange überfällig ist. Wie heißt es auf der titelseite zum stück, ganz klein unter neumarkttheater: „theater fürs establishment“… super ! das passt deshalb schon, weil dieses establishment diese form von theater dringend benötigt, um die risse und die fahrten durch die stadt mit anderen augen, dringend braucht. Das es auch ohne geht, ist klar. Aber im kern müßte das neumarkttheater gerade jetzt ins zentrum rücken, um diese reichlich fertig-ausgewalzte stadt wieder auf ihre qualitäten hinter den mauern zu erinnern. Warum also spielt bis jetzt niemand vor dem gefängnis , in dem noch immer roman polanski sitzt. Oder ist er schon wieder frei oder freigesprochen und lebt in los angeles? Man hört nix mehr. Was wäre mit einem stück über die kampusch oder wie heißt sie? Kambusch ? österreich ? vor den mauern des polanskivollzugs?… man nimmt einen ort, hinter dem etwas wartet und projeziert eine andere geschichte drauf. Das könnte doch klappen… hallo neumarkt? …. – also ich empfehle baby jane ! und ich danke mira patecke für diesen schönen bogen, den sie da baut. Jeden abend hoffentlich neu… vom amateurgehampel am anfang bis zum bedrohlichen kungfu-kampf auf der ministerbebühne. Carl hegemann hat da übrigens das ganze programmheft mit seinem namen unterzeichnet. Und barbara weber macht mir freude ! hat ein gutes team wie mir scheint. Und wenn die strassenbahninszenierung nicht funktioniert springt direkt der künstlerische leiter oder kbb mann ein? Über die berufsbezeichnungen am theater habe ich noch nie lange nachgedacht. Aber hier ist alles im Lot. Viele grüße und ein schönes wochenende… vielleicht schreib ich gleich noch ein paar sätze auf dem www.temporaere-leichenhalle.com Blog….
Spannende minuten also….

Mira-plakat-kleiner02Mein-gott-klein

Guten Morgen aus Zuerich

Heute nacht sollte ich zum papst. Es sollte ein foto gemacht werden, wo er mir seine alte stradivari zeigte. Das treffen konnte nicht stattfinden, weil meine frau nicht erreichbar war. Die handytastatur, auf der ich ihr dieses ausstehende treffen mitteilen wollte, wurde zu einer kaesscheibe. Es war unmoeglich darauf den text einzutippen… ich muss dann irgendwie weitergelaufen sein, kam zu einem vorsingen von wolfgang wagner und entdeckte in alten unterlagen, dass meine grossmutter, die mutter meines vaters, die besitzerin eines zweiten bayreuths gewesen war, das aber durch die hinterhaeltige art von wolfgang wagner keinen pfennig aus dem marstallplan bekommen hatte. Im traum schrieb es sich : marschtalplan. Ich habe das sehr bedauert und hielt einen vortrag, in dem ein text von carl hegemann aus den gestrigen proben vorkam: ”in den naechsten 100 jahren werden 6 milliarden menschen sterben! Und diese zahl ist extrem geschoehnt!”  – guten morgen liebe sonne ! In zuerich erwacht. Alles beim alten……..

———- Weitergeleitete Nachricht ———-
Von: “Christoph Schlingensief”
Datum: 18.11.2009 23:54
Betreff: Und dieser text kommt vom handy….

Kirchdienst.ch

”Die Kirche hält viel zu wenig an Gegenüber aus und scheint tatsächlich schlecht in der Lage, auszuhalten, was Künstler machen.” Der deutsche Regisseur und Filmemacher philip griening , ”Die grosse Stille” über das Leben der Kartäuser für Aufsehen sorgte, kritisierte im Interview der Interview der der Kirche mit zeitgenössischer Kunst. Die Kirche sollte grosse Künstler wie etwa Christoph Schlingensief ernst nehmen und mit Offenheit das Gespräch suchen. – Papst Benedikt XVI. trifft am 21. November im Vatikan mit rund 270 Künstlern aus aller Welt zusammen. Christoph Schlingensief wird dabei die predigt halten und dem glaubensbruder sagen, dass er sich als streng glaeubiger christ von der kirche verlassen fuehlt. Und dass dies wohl vielen leuten so ginge. Jedenfalls habe die grosse resonanz auf sein buch gezeigt, wieviele menschen die heutige katholische kirche ohne lebenskraft empfinden. ”Von jesus freude ist da nichts mehr zu spueren. Vielmehr erscheint die kirche wie ein Leidensverwalter, bei dem man ein paar gebete abholen kann. Mehr nicht ! Keine Freude oder kaum noch Freude ! Und das finde nicht nur ich sehr enttaeuschend ! Wenn weltliche mauern fallen koennen, dann muss auch endlich die mauer zur Liebe Gottes oder Hypergottes eingerissen werden. Gottes kraft muss ernsthaft spuerbar werden und dazu braucht man wirkliche Offenheit und keine gespielte,  lieber glaubensbruder ratzinger ! ” C.S.

Einwurf: Es geht nicht um tot, sondern wieder um irgendetwas Lebendiges.

Und dann zu sagen, wir sehen jetzt mal wie die Muskeln da funktionieren, das hat aber bei ihm ja leider diesen ästhetischen Faktor, das was eine Beerdigung ausmacht, wenn man da die Leiche aufgebettet hat, dann sieht man, obwohl sie vorher schon zerbeult war, mit solchen Flatschern im Gesicht, dass sie wieder geschminkt ist und wieder so guckt als wäre ichs gewesen. Leichenkosmetik. Wie sagt man denn… Der Totengräber….Also die Firma, die hat ja im Katalog stehen: Mit Maske, ohne Maske.

Also du kannst das dann mieten, dann kommt die Maskenbildnerin und macht dich schön. Mein Vater hatte das Auge eingedrückt. Dass war beim Transport vom Bett, in der Leichenhalle mal so ein Ellbogen reingeraten, hatte so eine Delle nach innen und das sah einfach nicht schön aus. Furchtbar. Hätt ich das einfach nicht gesehen. Der war im Bett schöner als da auf dieser Ausstellung. Aber der Katholik braucht das.

Im Hinduismus ist ja auch so. Dass die Leichen dann da liegen und dann werden sie am Mund angezündet, weil der Atem da rausgeht. Der letzte Odem/Atem verschwindet und dann werden sie abgefackelt. Dann werden die Reste in den Fluss geworfen. Im Fluss warten schon die Leute, die Kinder vor allen Dingen,aber auch die Erwachsenen, rechen und versuchen dann aus dem Boden eventuell einen Goldring oder einen Goldzahn rauszufischen, den die Leiche hatte und den man ihr nicht rausgebrochen hat vorher, also solche Sachen.

Das ist immer noch die Frage des Zweckmäßigen, des Unzweckmäßigen.

Mozambique wo wir waren, da gabs den Vorsitzenden der Eisenbahngesellschaft, der hatte ein Mausoleum sich gebaut, das war so hoch wie das Ding, da drinn war so eine bestimmte Technik – sein Gesicht so rein gekratzt, das ist so dreidimensional rausgeragt, in den Marmor war so reingekratzt und ist wieder rausgeragt, dass es so spiegelte und das erinnerte so entfernt an diese Junctis Vulgaris, das hab ich da hinten drin-  die Figur die dich immer anguckt.

 Also wo du vorstehtst und sie guckt dich an /

und wenn da zwei davor stehen fragst du dich, guckt die jetzt den an oder mich? Und der glaubt genau das selbe. Und das ist so die Frage wer beobachtet jetzt wen. Und diese – Ich sehe was, was du nicht siehst, diese Ebene, davon leben Millionen, davon lebt Christentum, davon lebt unser Gottesverständnis, unser Todesverständnis, nicht, dass wir natürlich deshalb da sterben können, weil wir werden dann ja schon von anderen gesehen, von Leuten die früher gestorben sind oder von Göttern oder sonst was. Ich habe komplett – ich bin jetzt dabei nicht mehr von Gott sondern von Hypergott zu reden wenn ich bete, weil Hypergott hat für mich so was inklusives, das muss ich nicht mehr vermenschlichen, das ist eine Energiewolke oder sonst was, mehr ist das nicht und das ist für mich als Katholik extrem beruhigend, dass ich eine Energiewolke habe und nicht mehr einen Mann mit Bart oder irgendeiner der hier so Löcher in den Beinen, Füßen und hier noch ein Schlitzchen oder sowas so am Kreuz. Das ist jetzt alles eigentlich ok.

Diese Bilder sind ja da, die kommen auch immer wieder, das ist ja eine Art Schmußedecke die ich ein Leben lang mit mir rum schleppe, aber Hypergott, die Energiewolke ist das alles, wo auch der Atheist nicht mehr rauskommt, selbst die Behauptung des Nicht-Gottes, ist dann auch schon wieder die Frage der Beobachtung, also in der Beobachtung – ich bin ja letzten Endes ohne Gott da, ich kann das auch ohne aushalten – beobachte ich mich ja auch, guck mich ja auch schon an, unter dem Motto: Halt ich das durch, was wäre wenn, da hat ja auch ein Atheist irgendwelche Fragen. Und das ist schon wieder ein kleiner Türspalt zu der Möglichkeit, dass ein Außen einen beobachtet.

Und gleichzeitig auch wieder eine Lügennummer, weil man denkt: Naja, ich kann jetzt sterben, weil ich werd ja schon gesehen von jemand anderem. Auch in dem Moment des Todes und da kommt dann natürlich die Abrechnung, die High Noon Situation, aber High Noon gibt’s aber dann auch nicht mehr, sondern es ist dann einfach ein Wohlwollendes Abschiednehmen im Sinne von Energie geht nicht verloren, wenn ich hier sterbe kann ich mich immer noch als Partikel in irgendeiner Lichtwolke wiederfinden oder im 17.Universum, was weiß ich wie viele Universen noch herumfliegen.

Das ist ja schon mal sehr sehr schön wenn man sich vorstellt, man müsste alle Leute wiedertreffen – was ich ja auch in der Lesereise sage – dann hätte man ja überhaupt keine Zeit mehr, glücklich zu sein. Dann wäre man ja permanent gefangen in kurzen Momentaufnahmen von „Achja. Hallo. Wir kennen uns doch auch. Haben wir nicht mal zusammen gegessen. Genau!“ Und dann kommt ja der Papa auch schon wieder. Also wenn das so abläuft haben wir wirklich gar keinen Funken von sinnvoller Auflösung. Und das alles, das alles unter einen Hut zu kriegen bedeutet eben auch, beim Sterben lernen sich nicht nur zurückzuziehen, geh nur noch dahin meinen Atem zu beobachten, atme ein atme aus atme ein atme aus und das ist alles, da bin ich völlig weg, da hab ich nur noch meinen Körper und die Bilder in mir und dann bin ich halt der Mystiker und das Außen gibt’s nicht mehr. Das Außen gibt’s garantiert. Da kann er Gift drauf nehmen, dass er da unterm Baum sieben Jahre sitzt und meditiert, dass glaub ich nicht. Das geht heutzutage nicht. Wenn ich mich hier in der Einkaufszone setz unter einen Baum ist in 40min weg, weil sie sagen, du bettelst da.

Also auch dieser Vorgang geht nicht mehr auf.

Proben haben begonnen!

Figura_cuncta_videntis

Sterben lernen – Herr Andersen stirbt in 60 Minuten !

Weitere Informationen dazu gibt es in unregelmässigen Abständen unter: www.temporaere-leichenhalle.com

Rene Pollesch probt gerade seine Produktion „CALVINISMUS KLEIN“.
Stück von René Pollesch. Uraufführungsproduktion. Regie: René Pollesch. Bühnenbild: Janina Audick. Kostüme: Aino Laberenz. Video: Meika Dresenkamp. Lichtdesign: Frank Bittermann. Dramaturgie: Andrea Schwieter. Regieassistenz: Hannes Weiler. Bühnenbildassistenz: Georg Keller. Kostümassistenz: Eva Krämer. Regiehospitanz: Sven Zaugg. Praktikum Bühnenbild: Alice Fiedler. Soufflage: Rita von Horvath. Aleksandar Sascha Dinevski. Schauspiel: Carolin Conrad, Frank Seppeler, Susanne-Marie Wrage und Martin Wuttke.

Und ich probe gleichzeitig am Neumarkttheater und Schauspiel: „STERBEN LERNEN“. Das zweite Brainstorming (nach „Zwischenstand der Dinge“) über letzte Fragen und Dinge des an Krebs erkrankten Regisseurs Christoph Schlingensief findet im Theater Neumarkt statt. Sich selbst als potentiell Sterbenden zu akzeptieren und selbstbestimmt mit dem umzugehen, was man nicht bestimmen kann, ist das Ziel. Das erwähnte Buch von Nietzsche, Brechts Lehrstück vom Einverständnis, Terence McKennas Theorie des „Hyperspace“ und der Seelenwanderung und Boris Groys Vorstellung von der Unsterblichkeit des Körpers und der Kollektivierung des Todes – diese Konzepte sollen auf ihre Kraft hin, dem Sterben und dem Tod jenseits religiöser Heilsversprechen ihren „Stachel“ zu nehmen, untersucht und zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung werden.

Mit: Jean Chaize, Brigitte Cuvelier, Martin Wuttke, Christoph, Jörg, Alicia Aumüller, Jörg koslowski, Thomas Müller. Dramaturgie: Carl Hegemann, Michael Gmaj, Natasha Gangl, Aissistenz: Patrick Wymann, Ton: , Video: Meika Dresenkamp, Bühne: Janina Audick, Kostüm: Aino Laberenz, und viele andere, die später noch genannt werden….

Wir starten am 4.12.2009 im Neumarkt, erreichen dann die Kunsthalle und besuchen dann Dr.Mabuse auf der Bühne des Pfauen. Dann geht’s zurück ins Neumarkttheater, wo Herr Andersen sterben wird.

Bis dahin gibt es viel zu besprechen…. Sterben lernen? Sterben alzeptieren?…

Was ist das Geheimnis, das besser nicht gelöst werdem sollte, weil man sonst sterben muß….

Wird Martin Wuttke die Pfauenbühne verlassen und das Stück im Stich lassen, um seinem Freund Jean Andersen die letzten Minuten die Ehre zu erweisen…?

WIR KLÄREN DAS!

Morgen gibt’s ein gemeinsames Treffen im Schiffbau. Ca. um 11 Uhr, Probebühne 2…